
"Mit Mic & Seele" ist das Debut-Album der 0816 Crew, die aus 3 MC's besteht: Amazing M, Dobb W und Youngstarr. Laut Beschreibung soll dieses Stück Musik sich nicht an den gewohnten Großstadt-Rap anlehnen und auch beweisen, dass sich nach dem US-Rap auch immer mehr der Deutsche Rap von der Gangsta-Schiene abwendet und zu seinen Backpacker-Wurzeln zurückkehrt. Die 16 Track starke CD ist auf Flavamatic erschienen und hat eine Spielzeit von knapp 57 Minuten. Im Intro wird kurz durch eine kleine Auswahl an Songs auf diesem Longplayer durchgezapped. Das Album startet mit frischem Sound, den Rucksackträger aus Mixery Raw Deluxe Zeiten sicher zu schätzen wissen werden. ("Die Scheiße geht ab") Der dritte Tune verwendet dann auch schon das erste Eastcoast Sample aus "One Mic" von Nas. Mit "Jeder 2Te" und seinem funkigen Groove kehrt richtig Abwechselung ein, auch wenn im darauffolgenden Stück Louisa Lettow's Gesang nicht sehr geschmeidig klingt. ("Geb die Hoffnung nicht auf") Zu meinen Favoriten gehört "Irgendwie", ein richtig fresher gesellschaftskritischer Tune, der ein apokalyptisches Rap-Szenario ausmalt. Daumen hoch für dieses Stück, in dem die Scratches seine Dringlichkeit noch verschärfen.
"und irgendwie finde ich deutschen Hip Hop ekelhaft, seitdem man es mit jeder dummen Scheiße in die Medien schafft"
Rechzeitig zum Sommer wird Happyness Stimmung in "Fühl mich gut" verbreitet, der weibliche Gesang im Hook ist hier etwas besser ausgefallen. "Manege frei" stellt untermalt von Zirkus-Sound die Echtheit der deutschen Rap-Szene in Frage. "Weltreise" ist ein absolut gelungenes Instrumental, auf dem die Crew ihre Weltoffenheit demonstriert. ("ich stehe auf Reiseziele, wo es Abends noch hell ist") "Untergrund" tangiert auf der CD noch am Stärksten den NYC-Sound. Der Mobb Deep ähnliche Beat verleiht dem ansonsten locker klingenden Longplayer kurz einen etwas düsteren Flair. ("ihr zieht euch aus dem Biz zurück wie Michaela Schaffrath")
Fazit: Hip Hop Heads mit New York Affinität können dieser Deutsch Rap Combo wohl etwas abgewinnen. Aber auch Fans der nationalen Szene werden zurück in die 90er mit neuen besseren Beats als damals geholt. Gangsta Rap oder Proll-Gehabe sucht man vergeblich und eine angenehme Sound-Kulisse steht im Vordergrund. Jeder Track hat auf diesem facettenreichen Longplayer seinen eigenen Flair und es wird beim Durchhören kaum langweilig wegen der vielen abwechselungsreichen Hooks. ("Schlag Alarm") Meine Anspieltipps sind Track 6 und 12.